Schafe zählen

SchafeZaehlen

„Ich kenne einen Trick, wie du besser einschlafen kannst, meine Süße“, sagte der Vater zu seiner Tochter Anna. „Willst du wissen, wie?“ „Ja, bitte, Papi“, erwiderte Anna. „Dann schließ mal die Augen und stell dir vor, du stehst auf einer Wiese und vor dir siehst du einen großen Zaun. Siehst du den Zaun?“, fragte der Vater. Anna kniff ihre Augen zusammen und stellte sich eine schöne, saftige Wiese mit einem alten Holzzaun vor. „Ja, Papi!“
„Auf dieser Wiese springen jetzt nacheinander Schafe über den Zaun. Stell dir das bitte vor: erst das erste Schaf, dann das zweite Schaf, danach das dritte, das vierte und so weiter. Du musst jetzt einfach immer weiter die Schafe zählen und du wirst irgendwann so müde sein, dass du ganz von alleine einschläfst. Probier es doch gleich mal aus! Ich wünsche dir eine gute Nacht, Anna, und viel Glück beim Schafezählen!“
Er gab ihr noch einen sanften Gute-Nacht-Kuss und knipste dann das Licht aus.

Anna konzentrierte sich und stellte sich die Wiese vor… Da kam das erste Schaf angerannt, ein großes, weißes Schaf, das mit Schwung über den Zaun sprang. Dann folgten das zweite Schaf, das dritte, das vierte und das fünfte. Alle Schafe sprangen mühelos und mit großer Freude über den Bretterzaun, als wenn sie den ganzen Tag nichts lieber tun würden. Anna war zufrieden, da sie in der Tat immer müder wurde, je mehr Schafe sie über den Zaun springen sah Doch dann geschah etwas Seltsames. Nachdem das 22. Schaf über die Hürde gesprungen war, folgte plötzlich keines mehr. Kein Schaf war mehr zu sehen. Anna war eingeschlafen.

Doch in ihrem Traum stand sie plötzlich selber auf der schönen Wiese und sah ein winziges Schäflein mit der Zahl 23 auf dem Rücken weinend auf dem Boden sitzen. Zitternd sprach es: „Ich traue mich nicht, über den Zaun zu springen. Er ist viel zu hoch und ich bin doch noch so klein.“ Anna hatte Mitleid: „Wenn du nicht springen magst, dann helfe ich dir, in Ordnung?“ „Oh, ja“, antwortete das Schäfchen.
Anna machte einen Schritt, nahm das kleine, kuschelige Tier in ihre Arme und hob es sanft über das Hindernis. „So, mein Kleines, jetzt bist du auf der anderen Seite. Lauf weiter und hab keine Angst.“ „Vielen Dank, Anna“, mähte das Schaf und sprangvergnügt weiter. Und Anna träumte noch die ganze Nacht von vielen kuscheligen Schäfchen.