Reise zur Sonne

ReiseSonne2

Es war einmal eine Eule. Am Tag schlief sie immer und nachts war sie wach. So ging das über viele Jahre. Doch eines Tages konnte die Eule nicht schlafen und dabei war es doch schon mitten am Tag!
Die Sonne brannte und die Eule kam mächtig ins Schwitzen. Nie zuvor hatte sie eine derartige Wärme verspürt. Sie blickte zum Himmel hoch und sah die gelbe, riesige Sonne, die durch wunderschöne, weiße Wolken hindurch direkt auf die Erde strahlte. Die Eule wunderte sich, denn nachts, wenn sie normalerweise wach war, gab es nur den Mond. Der war zwar hell, aber nicht warm.

So beschloss die Eule, sich auf eine Reise zu machen. Eine Reise zur Sonne, um herauszufinden, wie etwas so unglaublich heiß sein konnte. Sie breitete ihre großen Eulenflügel aus und erhob sich hoch in die Luft. Immer höher und höher flog sie, und immer näher und näher kam sie dabei ihrem Ziel. Doch plötzlich wurde es furchtbar kalt. Obwohl sie der Sonne immer näher kam, begann sie zu frieren. Sie hielt die Kälte nicht mehr aus und kehrte um.

ReiseSonne1

Auf dem Rückflug sah sie einen alten Bären, der es sich unter einem Baum gemütlich gemacht hatte. Die Eule beschloss, den Bären zu fragen, was er über die Sonne wüsste und landete über ihm auf einem Ast. „Hallo Bär, was kannst du mir über das große, gelbe Ding da am Himmel verraten? Ich habe es heute zum ersten Mal gesehen.“ Der Bär schaute verwundert hoch zur Eule. „Das ist der Mond!“ „Der Mond?“, rief die Eule verwundert aus. Tatsächlich! Sie war so lange unterwegs gewesen, dass es bereits wieder dunkel geworden war und da, wo vorher die Sonne war, stand nun der Mond am Himmel!

Die Eule konnte es nicht glauben und beschloss, gleich früh am nächsten Morgen die Reise fortzusetzen, doch als die ersten Sonnenstrahlen auf die Erde fielen, war sie eingeschlafen. Und so schlief sie auch die nächsten Jahre tagsüber, wenn die Sonne schien und erwachte abends, wenn der Mond am Himmel stand. Eigentlich war sie auch ganz froh darüber, denn sie liebte die Nacht mit all ihren prächtigen Sternen und mit dem wunderschönen gelben Mond, der sie nie zum Schwitzen brachte.